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Die wichtigsten schritte, um baustellen sicherer zu machen

Statistiken zeigen, dass das Baugewerbe trotz eines allgemeinen Abwärtstrends in Bezug auf Unfälle auf Baustellen im Laufe des letzten Jahrzehnts nach wie vor eine der gefährlichsten Branchen ist. Im Vereinigten Königreich werden (laut der britischen Gesundheits- und Sicherheitsbehörde) jährlich etwa 31 Prozent aller Todesfälle am Arbeitsplatz und 10 Prozent der gemeldeten schweren Verletzungen im Baugewerbe verzeichnet, obwohl in dieser Branche nur 5 Prozent aller Arbeiter beschäftigt sind. Warum also ist das Baugewerbe so gefährlich und was kann noch getan werden, um die Sicherheit der Bauarbeiter zu gewährleisten?

Der COMBISAFE-Safety Manager Jasbir Sangar sieht sich die Herausforderungen an, mit denen Bauunternehmen konfrontiert sind und zeigt, wie ein systematischer Ansatz zur Gefahrenidentifizierung für deutliche Verbesserungen in Bezug auf die Sicherheit auf Baustellen sorgen kann.

Die Verantwortung für Sicherheit auf Baustellen ist mit mehreren Herausforderungen verbunden. Es ist schon für große Bauunternehmen mit eigenem Sicherheitspersonal und entsprechender Infrastruktur schwierig genug, aber für mittlere und kleine Unternehmen –  für die derzeit in der EU mehr als 70 % der Bauarbeiter tätig sind (1) – sieht es noch einmal anders aus. In solchen Unternehmen verbinden Bauherren und leitende Manager die Sicherheitsrolle häufig mit anderen Aufgaben, was bedeutet, dass es oft schwieriger sein kann, in Bezug auf die neuesten Sicherheitsinnovationen, -informationen und -schulungen auf dem neuesten Stand zu bleiben.

Warum ist das Baugewerbe so gefährlich? Ist es nur das Überwiegen kleiner Unternehmen oder ist es die Kombination aus der temporären Baustellenumgebung, der Art der Arbeit, der anhaltenden niedrigen Wahrnehmung der Risiken durch die Arbeiter usw.? Zwar gibt es nicht die eine Antwort, aber eine Möglichkeit, die Sicherheit durchgängig zu verbessern, ist eine systematische Vorgehensweise bei den gängigsten Gefahren. Wenn man einen neuen Blick auf diese Gefahren wirft und sich mit jeder davon auseinandersetzt, können Unternehmen aller Größen dabei helfen, Verletzungen und Unfälle unter ihren Arbeitern zu reduzieren. 

Risiko 1: Ausrutsch-, Stolper- und Sturzunfälle

Im Vereinigten Königreich gehen im Baugewerbe jedes Jahr mehr als 2 Millionen Arbeitstage verloren. Unfälle durch Ausrutschen, Stolpern oder Stürze machen dabei 58% der gemeldeten schweren Verletzungen aus(2). Oberflächen auf Baustellen sind oft rau, uneben, schlammig und voller Gefahren.  Um diese Art von Verletzungen zu reduzieren, sind geeignete Sicherheitsschuhe und Schutzausrüstung entscheidend.

Die Sicherheitsschuhe sollten eine erhöhte Rutschfestigkeit der Sohle, ein selbstreinigendes Profil und hohe Flexibilität und Strapazierfähigkeit aufweisen.                     

Eine einfache Möglichkeit herauszufinden, ob Sicherheitsschuhe auf Rutschfestigkeit getestet wurden, ist die Prüfung der Testwerte des Reibungskoeffizienten. Je höher der Koeffizient ist, desto besser ist die Rutschfestigkeit. Idealerweise sollte er höher als die in der Richtlinie EN ISO 20345/6/7 festgelegten Mindestanforderungen sein. Schuhwerk, das den EN-Rutschfestigkeitstest besteht, ist mit einem bestimmten Code gekennzeichnet: SRA (getestet auf mit verdünnter Seifenlösung befeuchteten Keramikfliesen), SRB (getestet auf glattem Stahl mit Glycerol) oder SRC (getestet unter beiden Bedingungen).

Die Oberfläche des Schuhwerks sollte aus atmungsaktivem, wasserabweisenden Material hergestellt sein. Durch die zahlreichen physischen Gefahren auf Baustellen, wie zum Beispiel durch Ziegel- und Blockstapeln, sowie Risiken von Stichverletzungen aufgrund von Nägeln ist sicherzustellen, dass das Schuhwerk einen Schutz in der Vorderkappe, eine Zwischensohle aus Stahl und einen Knöchelschutz aufweist. Um die Akzeptanz durch die Arbeiter sicherzustellen, aber auch, um Ermüdungserscheinungen des Fußes, die Ausrutsch- und Stolperrisiken erhöhen können, zu verhindern, ist Komfort entscheidend.

Arbeiter sind bei Höhenarbeiten im Baugewerbe dem höchsten Gefährdungsniveau ausgesetzt.  Vor der Entscheidung, eine persönliche Schutzausrüstung (PSA) zu verwenden, gibt es zwei Punkte zu berücksichtigen. Der erste ist Vermeidung: Höhenarbeiten sind zu vermeiden, wann immer dies möglich ist. Viele Unfälle geschehen in niedriger Höhe, wo ein Absturz nicht als wahrscheinliche Gefahr in Betracht gezogen worden ist. Der zweite ist Prävention. Hier wird eine kollektive Absturzsicherung verwendet, um eine Personengruppe zu schützen. In diesem Punkt ist Combisafe ein weltweit führender Experte. Die letzte Überlegung ist die der Abschwächung, wobei eine PSA als letzte Möglichkeit verwendet wird, um die Auswirkungen eines Absturzes zu minimieren, wenn die ersten zwei Punkte nicht befolgt werden können. Das Ziel der PSA ist es, das Potenzial von Abstürzen (Rückhaltung) und dann die Auswirkungen eines Absturzes (Absturzsicherung) zu reduzieren.

Die Wahl der richtigen persönlichen Schutzausrüstung ist von entscheidender Bedeutung. Wählen Sie eine PSA, die von einem Unternehmen entwickelt und hergestellt wurde, das die Risiken kennt, mit denen Arbeiter bei Höhenarbeiten konfrontiert werden. Berücksichtigen Sie auch, dass das PSA-System drei physische Bestandteile beinhaltet – Ankerpunkt (permanent oder temporär), Schutzkleidung (Sicherheitsgurt, Rückhaltegurte) und Verbindungsvorrichtungen (Lanyards, Seilgreifer). Ebenso erforderlich sind ein Rettungsplan sowie die Schulung aller Arbeiter, die eine PSA verwenden.

Bevor Sie eine persönliche Schutzausrüstung erwerben, ist es wichtig, sich über die Nutzer, die Umgebung und die spezifische Anwendung Gedanken zu machen. Die Lebensdauer einer persönlichen Schutzausrüstung kann abhängig von Faktoren wie der Häufigkeit und den Bedingungen der Nutzung stark variieren. Deshalb ist es wichtig, die Ausrüstung jedes Mal vor der Nutzung zu prüfen. 

Risiko 2: Augen-, Gesichts- und Kopfverletzungen

Stoßverletzungen betreffen alle Teile des Körpers, aber einige der schwersten Verletzungen treten im Bereich der Augen, des Gesichts und des Kopfes auf.

Sind die Augen gefährdet, ist es wichtig, einen Augenschutz bereitzustellen, der die Anforderungen der Richtlinie EN166 und anderer Augenschutzstandards, die sich auf Schutzbrillen, Sicherheitsbrillen und Blendschutze beziehen, erfüllt. Sicherheitsbrillen mit erweitertem, enganliegenden Rahmen erweitern den Schutzbereich und das periphere Sehfeld.

Komfort ist ein Schlüsselfaktor beim Tragen von PSA. Daher lohnt es sich auch, sich zusätzliche Merkmale wie Größen mit flexibler Weite, einen anpassbaren Nasensteg und verstellbare Bügel anzusehen, damit der Träger den Sitz und Linsenwinkel anpassen kann. Anti-Fog-Linsen helfen, bei Anstrengung, Hitze und Feuchtigkeit die Sicht zu erhalten.

Für Aufgaben mit erhöhtem Risiko durch herumfliegende Partikel oder heiße Flüssigkeitstropfen (z. B. Stahlschneiden und Betonsägen) benötigen die Arbeiter einen Schutz in Form von Vollblenden. Schwere mechanische Arbeiten erfordern Polycarbonat-Blenden; chemischer Kontakt erfordert Acetat-Blenden; elektrische Arbeiten erfordern Polycarbonat-Blenden und Schweißarbeiten erfordern eine Polycarbonat-Blende mit Infrarotstufe (IR/UV) 3.0 oder 5.0 der Linse.

Wenn es um den Kopfschutz geht, ist die Leistung des Schutzhelms entscheidend. Er muss die Richtlinie EN 397:2012 für Industriehelme und die Stoß- und Penetrationstests erfüllen.

Auch hier ist die Akzeptanz durch die Nutzer entscheidend und daher ein guter und bequemer Sitz von wesentlicher Bedeutung. Eine qualitativ hochwertige Federung (Stützrahmen) im Helm ist daher wichtig. Je mehr Federungspunkte im Helm vorhanden sind, desto höher ist der Komfort und desto mehr Energie von einem Stoß wird im Helm verteilt.

Risiko 3: Einatmen von gefährlichen Substanzen 

Es sind jedoch nicht nur physische Verletzungen, die im Baugewerbe ein Problem darstellen. Geschätzt 31.000 neue Fälle an arbeitsbezogenen Krankheiten sollen jedes Jahr(3) als Ergebnis früherer Belastung durch gefährliche Substanzen(4) auftreten, darunter 3.700 Todesfälle aufgrund von durch die Arbeit verursachten Krebs.

Asbest und Kieselsäure sind nach wie vor die größten Atemwegsgefahren und Ursachen von Krankheit im Baugewerbe. Da sie oft während Abbau- und Renovierungsarbeiten als Staub eingeatmet werden, ist ein Atemschutz beim Bohren, Malen und Schneiden von Beton oder Arbeiten mit Sand und Beton entscheidend.

Möglichkeiten zur Reduzierung von Einatmungsrisiken können die Änderung der Arbeitspraktiken, zum Beispiel das Arbeiten mit Wasser beim Schneiden von Beton zur Reduzierung der Staubbildung, umfassen. Wenn Staub ein Sicherheitsproblem ist, sind als PSA Einweg- oder Mehrweggesichtsmasken, Atemschutzmasken für eine Gesichtshälfte oder das ganze Gesicht oder belüftete Hauben erhältlich, um das Einatmen von Staub zu verhindern.

Risiko 4: Handverletzungen

Hände sind auf Baustellen nicht nur physischen Gefahren ausgesetzt, sondern müssen auch mit rauen Umweltbedingungen fertig werden. Handschuhe in der falschen Größe, die unbequem oder für die Aufgabe ungeeignet sind, werden vom Träger schnell entsorgt. Daher sind Komfort und Fingerbeweglichkeit wichtig.

Überprüfen Sie für allgemeine Aufgaben die EN388-Bewertung der Handschuhe. Diese zeigt den Widerstand gegen Abrieb, Schnitte, Risse und Einstiche in Form einer Bewertungsnote. Je höher die Zahl ist, desto besser ist der Schutz. Die Bewertung geht von 0 bis 5 und wird unter dem Piktogramm eines Hammers genannt.

Chemikalien sind ebenfalls eine große Gefahr für Hände. Die häufigste Gefahr auf der Baustelle ist Beton, der ungeschützte Haut röten, reizen und verbrennen kann. Wenn Sie sich für Handschuhe als Schutz vor Gefahren durch Chemikalien entscheiden, sprechen Sie mit einem Experten, der Sie beraten kann, welche Handschuhmaterialien gezielt Schutz vor Zement oder anderen Chemikalien bieten.

Falls es wahrscheinlich ist, dass die Hände nass werden, stellen Sie sicher, dass die Handschuhe eine geeignete Beschichtung haben, zum Beispiel Nitril, die Schutz bietet und sicherstellt, dass die Handschuhe strapazierfähiger und flexibler sind und in nassen und öligen Umgebungen einen guten Griff bieten.

Risiko 5: Hörschäden

Auf jeder Baustelle gibt es mit Lärm verbundene Risiken. Ein wirksamer Hörschutz reduziert den Lärm auf ein sicheres Maß, ohne ihn vollständig auszublenden, da dies das Risiko erhöhen könnte, dass Arbeiter Geräusche nicht mehr hören, die sie hören sollten, und dadurch die Gefahr des Verzichts auf die PSA erhöht würde.

Ein ordnungsgemäß angewandter Hörschutz reduziert den Lärm auf annehmbare Maße und ermöglicht Nutzern, die Geräusche zu hören, die sie hören sollen. Ein unvollständiges oder unsachgemäßes Einsetzen von Ohrstöpseln kann den Schutz auf nahezu Null reduzieren. Daher ist eine Anwendungsschulung und -überwachung entscheidend.

Das Baugewerbe ist ein risikoreiches Geschäft, aber durch Ansprechen der wichtigsten Probleme und die Auswahl geeigneter PSA können die Verletzungs- und Erkrankungsrisiken reduziert werden.